Song: Abendlied
Year: 1879
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[Text zu „Abendlied“]

[Strophe 1]
Augen, meine lieben Fensterlein
Gebt mir schon so lange holden Schein
Lasset freundlich Bild um Bild herein:
Einmal werdet ihr verdunkelt sein!

[Strophe 2]
Fallen einst die müden Lider zu
Löscht ihr aus, dann hat die Seele Ruh';
Tastend streift sie ab die Wanderschuh'
Legt sich auch in ihre finst're Truh'

[Strophe 3]
Noch zwei Fünklein sieht sie glimmend steh'n
Wiе zwei Sternlein, innеrlich zu seh'n
Bis sie schwanken und dann auch vergeh'n
Wie von eines Falters Flügelweh'n

[Strophe 4]
Doch noch wandl' ich auf dem Abendfeld
Nur dem sinkenden Gestirn gesellt;
Trinkt, o Augen, was die Wimper hält
Von dem goldnen Überfluss der Welt!

( Gottfried Keller )
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